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OUTBACK NEW SOUTH WALES

Kumpel, Kult-Pub und Künstler

Foto G. Weller: Der legendäre Kult-Pub des "Silverton Hotel" aus dem Jahre 1883 in der "Ghost Town" Silverton im Outback von New South Wales

"Kostenloser Kaugummi unter den Sitzen!" Freche Sprüche wie dieser sind auf Schildern zu lesen, die von der Decke des Pubs im "Silverton Hotel" hängen. Wer zum ersten Mal die legendäre Stätte betritt, schaut sich zunächst die originelle Dekoration des Pubs an. Die Wände sind voller Poster und Fotos, auf Borden türmen sich leere Bierdosen und Weinflaschen. Eine verwirrende und zugleich faszinierende Vielfalt an stummen Zeitzeugen. Auf der Theke liegen einige "Akubras" (Cowboy-Hüte) zum Verkauf, auch bedruckte T-Shirts und kleine Souvenirs werden angeboten. Natürlich gehören zu diesem Pub mit Kult-Status auch typische "Blokes" (Aussie-Männer), die herumstehen und Bier trinken oder ihr Glück an den "Pokies" (Spielautomaten) suchen.

Der Pub in dem traditionsreichen Hotel aus dem Jahre 1883 ist der populäre Treffpunkt in Silverton, einem gottverlassenen Nest, das nur 50 Einwohner hat und sich im fernen Westen des australischen Bundesstaates New South Wales versteckt (bis Sydney sind es fast 1.200 Kilometer). Die sonnenverbrannte "Ghost Town" erlebte ihre größte Zeit zu Beginn ihrer Existenz in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, als hier Silber abgebaut wurde. Damals war Silverton die erste bedeutende Siedlung dieser isolierten Outback-Region und hatte bis zu 3.000 Einwohner. Heute schwebt ein Hauch von Wehmut über den wenigen Häusern und staubigen Straßen. Lebhaft ist es nur noch im Pub und im früheren Gefängnis "Old Silverton Gaol" (1889), das längst zu einem mit Erinnerungsstücken vollgestopften Museum umfunktioniert wurde und so Touristen anlockt. Aber Silverton genießt seit 38 Jahren neuen Ruhm, nämlich als "Outback-Hollywood" Australiens! Viele der Fotos an den Wänden im Pub erzählen davon - es sind Bilder von Dreharbeiten zu Spielfilmen (u. a. "Mad Max II" von 1981). Auch Werbespots, Dokumentarfilme und Musik-Clips werden hier gedreht. Das "Silverton Hotel" und die endlose Wüstenlandschaft mit roter Erde stellen eine klassische Outback-Kulisse dar. Filmleute schätzen zudem die idealen Lichtverhältnisse des Ortes: nahezu immer blauer Himmel bei extrem klarer Luft. Außerdem ist Silverton stolz auf eine eigene Künstler-Szene. Werke einheimischer Maler sind in einigen Galerien zu sehen.

Silverton profitiert von der Nähe einer größeren Oase in der öden Wildnis des Outback. Sie liegt nur 25 Kilometer südöstlich, heißt Broken Hill und entstand, nachdem 1883 der deutschstämmige Grenzreiter Charles Rasp in dieser Gegend die - wie sich später erwies - weltweit größten Silber-, Blei- und Zinkvorkommen entdeckt hatte ("Line of Lode"). Dieses Ereignis leitete jedoch das baldige Ende der Blütezeit von Silverton ein. Schon 1885 begann der Minen-Betrieb in Broken Hill, das sich schnell zu einer erfolgrei-chen Bergbaustadt entwickelte - als ihr Gründer gilt Charles Rasp. Der auch "Silver City" genannte Ort, in dem rund 20.000 Menschen wohnen, ist ein "lebendes Museum". Die meisten Häuser wurden Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Auf einem gekennzeichneten "Heritage Walk" im Stadtzentrum - vor allem entlang der Hauptstraße Argent Street - kann man fast 50 dieser architektonisch interessanten Gebäude sehen. Im Touristen-Büro ist hierzu eine "Heritage Trails"-Karte erhältlich. Hinter dem Bahnhof von Broken Hill erhebt sich wie ein Gebirge die graue Abraumhalde der sieben Kilometer langen und bis zu 250 Meter breiten Mine "Line of Lode". Oben auf der Halde wurde 2001 eine Gedenkstätte für die im Bergbau ums Leben gekommenen Kumpel errichtet ("Miners Memorial"). Die Halde dient auch als Aussichtspunkt und verfügt über ein Restaurant.

Bergwerkstouren unter Tage (z.B. in der stillgelegten "Delprats Mine") zählen zum touristischen "Pflicht"-Programm. Wer jedoch lieber auf der Erdoberfläche bleiben will, sollte unbedingt das "Whites Mine/ Mineral Art Gallery & Mining Museum" besuchen. Dort wird die Geschichte des Bergbaus in Broken Hill anschaulich dokumentiert. Bergbau ist noch immer die wichtigste Einnahmequelle, wenn auch ständig abnehmend. Dem Tourismus - jetzt auf Platz 2 - gehört die Zukunft. Broken Hill hat aber nicht nur den Ruf einer historisch bedeutsamen Minen-Stadt mit zahlreichen Pubs und Klubs, sondern sie ist auch eine florierende Künstler-City. Davon zeugen die etwa 25 Galerien mit beeindruckenden Gemälden ortsansässiger Maler. Die merkwürdige Mischung von harter Working-Class-Mentalität und schillerndem Künstler-Milieu prägt in besonderer Weise diese grüne Outback-Oase! Das größte Gemälde der Welt auf Leinwand gibt es im "Silver City Mint & Art Centre" zu bestaunen: "The Big Picture" - ein 100 Meter langes und zwölf Meter hohes Panorama-Rundbild von Peter Anderson. Es zeigt Landschaften im Umkreis von Broken Hill. Farbige Wandmalereien (z.B. Tier-Motive) schmücken etliche Mauern und Hauswände der Stadt, sogar Außenwände öffentlicher Toiletten. In Broken Hill wurden auch schon viele Filme gedreht, z.B. "The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert" (1993). >


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Last updated 12 August 2011


Foto G. Weller: Warten auf Touristen - Kamele einer Kamel-Farm nahe der legendären "Ghost Town" Silverton im Outback des Bundesstaates New South Wales (die Farm bietet Kamel-Reiten an)

"The Living Desert Sculptures" - zwölf Sandstein-Skulpturen, von internationalen Künstlern 1993 erschaffen - stehen auf einem kleinen Hügel der Barrier Ranges, zehn Kilometer nordwestlich der City. Zum Sonnenuntergang wird der Hügel von Touristen belagert, die das fotogene Naturschauspiel inmitten der einzigartigen Kunstausstellung genießen. Der 1928 gegründete "Royal Flying Doctor Service" ist eine der wertvollsten Institutionen Australiens. In Broken Hill befindet sich am Flughafen eine - täglich für Besucher geöffnete - Basis der berühmten "fliegenden Ärzte". Sie betreuen von hier aus ein Gebiet von 640.000 Quadratkilometern im Südosten des Kontinents (fast zweimal so groß wie Deutschland). Acht Ärzte, eine Zahnärztin und mehrere Krankenschwestern sind im Einsatz, ihnen stehen drei Flugzeuge zur Verfügung. Ein oft lebenswichtiger Service für Menschen in entlegenen Outback-Regionen. Auch die "School of the Air" ist in Broken Hill vertreten. Sie unterrichtet via Computer-Technologie Kinder in solchen Gegenden ohne Schulen (bis 2003 geschah das per Funk). Kuriosität am Rande: In Broken Hill und Silverton gehen die Uhren anders. Denn hier gilt nicht die Eastern Standard Time wie im restlichen New South Wales einschließlich Sydney, sondern die Central Standard Time wie im angrenzenden Bundesstaat South Australia, dessen Hauptstadt Adelaide bloß 500 Kilometer entfernt ist. Bei Ausflügen rund um Broken Hill und Silverton muss man die Uhren vorstellen (30 Minuten). Tagestouren in die weitere Umgebung von Broken Hill führen zum Mutawintji National Park (mit Felsmalereien der Ureinwohner / Aborigines) und zum Kinchega National Park (mit einer Seen-Landschaft und dem Darling River). Unterwegs kann man u.a. Kängurus und Emus sehen, die beiden Wappen-Tiere Australiens. Gottfried Weller

Beste Reisezeiten

Beste Reisezeiten für die hier beschriebene Outback-Region sind Frühling (September - November) und Herbst (März - Mai) mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen um 24 Grad. Der Sommer im Wüstensteppen-Klima ist wegen der enormen Hitze (um 32 Grad) nicht empfehlenswert.

OUTBACK NSW INFOS
Broken Hill: www.visitbrokenhill.com.au Silverton: www.silverton.org.au