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G´DAY, MATE! WER SIND DIE AUSTRALIER?

Die Mentalität der Aussies - Von Gottfried Weller

G. Weller-Foto: Australier als patriotische Sportfans

Herzlich sind sie, aber mit rauer Schale, patriotisch und humorvoll, offen und ehrlich, sportbegeistert und kontaktfreudig, trinkfest und manchmal ein bisschen verrückt – die Australier. So oder ähnlich lauten die Meinungen über die Menschen in Down Under. Nur Klischees – oder sind die Aussies wirklich so? Auf den ersten Blick eine schwierige Frage! Denn der australische Nationalcharakter scheint so vielschichtig zu sein wie die unterschiedliche Herkunft der Einwanderer dieser multikulturellen Gesellschaft. Doch es gibt sie trotzdem – die typische und dominierende Aussie-Mentalität mit den eingangs erwähnten Merkmalen.

Zum lässigen “Australian way of life” gehört vor allem, sich selbst möglichst viel Unabhängigkeit und Freizeit zu verschaffen. Spaß will man haben – ob “outdoors”, zum Beispiel am Strand, beim Barbecue (“barbie”) im eigenen oder in Nachbars Garten, beim Sport oder aber in Klubs und Pubs. Und gern sitzt man zu Hause vor dem Fernsehgerät, um (bei reichlichem Bier-Vorrat) eine Kricket- oder Rugby-Übertragung zu verfolgen – falls man nicht ins Stadion gehen konnte – oder um per Leih-Video einen Spielfilm anzuschauen.

Obwohl auch im sogenannten “lucky country” hart gearbeitet wird, feiern die Aussies oft und ausgiebig – einen Grund hierfür finden sie immer. Dass sie das hervorragend können, haben sie im Jahr 2000 als Gastgeber der Olympischen Spiele in Sydney der ganzen Welt bewiesen. Es herrschte Party-Laune rund um die Uhr. Das ist ebenso am Nationalfeiertag (Australia Day / 26. Januar) und in der Silvester-Nacht (mit dem weltweit spektakulärsten Feuerwerk in Sydney) sowie bei anderen Großereignissen. 

“Don't worry!” oder “no worries” (“Mach dir keine Sorgen / Es ist in Ordnung!”) – diesen Ausspruch kann man in Australien täglich hören. Er weist auf das ständige Bemühen der Aussies hin, einen weitgehend unbeschwerten und unkomplizierten Lebensstil zu praktizieren. Also: Bloß nicht aufregen, keinen Stress, optimistisch bleiben! Probleme? Die wird man schon irgendwie und irgendwann lösen. So manche unliebsame Alltagssituation ist auf diese Weise schnell bereinigt. (Aber mitunter animiert wohl die Mach-dir-keine-Sorgen-Einstellung zu einer gewissen Gleichgültigkeit.)

Der stets freundliche Umgangston der Bewohner des Fünften Kontinents sorgt für eine allgemein gute Stimmung. Das erlebt man beispielsweise im Supermarkt, wenn die Kassiererin jeden Kunden begrüßt und fragt, wie es ihm geht. Und Bus-Passagiere bedanken sich vor dem Aussteigen beim Fahrer (“Thank you, driver” / “Danke, Fahrer”). Freundlichkeit als Ausdruck einer hoch entwickelten Dienstleistungsgesellschaft.  

G. Weller-Foto: Typische australische Pub-Szene

Diese Freundlichkeit wird oft ergänzt durch großzügige Hilfsbereitschaft. Eine lockere Konversation auch mit Fremden und die Anrede mit Vornamen bleiben allerdings in der Regel oberflächlich. Gleich ein persönliches Interesse daraus abzuleiten, würde meistens zu Enttäuschungen führen.

Zu den bevorzugten Themen bei solchem Small Talk zählen der Sport (bitte möglichst Kricket oder Rugby), das Wetter (der Kontinent hat immerhin mehrere Klimazonen und häufig extreme Wetterlagen), Restaurant-Tipps und die neuesten Spielfilme in den Kinos. Problembeladene Diskussionen, tief gehendes Fachsimpeln oder kritische Äußerungen zu Australien sollte man dagegen vermeiden.

Ein wesentlicher Bestandteil des in Down Under wichtigen “social life” ist der regelmäßige Besuch in einem Pub, Klub oder einer Bar (vor allem freitags und samstags). Trinkfestigkeit und Spendierfreude werden dabei als selbstverständlich vorausgesetzt. Hier bekommt man schnell Kontakte zu Aussies aller Schichten.

Wie das bereits erwähnte “barbie” für Barbecue zeigt, haben die Australier eine Vorliebe für Abkürzungen von längeren Begriffen und Namen sowie für – oft witzige, kaum übersetzbare – Slang-Worte. So wird der “mosquito” (Moskito) zum “mozzie”, ein kaltes Bier heißt “coldie”, und mit “like a dog's breakfast” (“wie das Frühstück eines Hundes”) ist gemeint, dass etwas sehr unordentlich oder schmutzig ist. Ihren Sinn für Humor unterstreichen sie aber auch damit, dass sie viel über sich selbst lachen.

Das geht sogar so weit, dass sie im ausgetrockneten Flussbett des Todd River im Outback-Städtchen Alice Springs (Zentral-Australien) jährlich eine Segelregatta veranstalten: Bei der Henley-on-Todd-Regatta rennen die Teilnehmer – weil kein Wasser da ist – mit ihren selbst gebauten, bodenlosen Booten durch den Sand des Flussbettes Richtung Ziel.

Typisch für die Aussies sind zudem ihre Leidenschaften für Wetten (u.a. beim “Melbourne Cup”, dem berühmtesten Pferderennen des Kontinents) und für die weit verbreiteten Spielautomaten (poker machines oder kurz “pokies”).

Stark ausgeprägt ist das Nationalbewusstsein der Australier. Das gilt besonders für den Sport und die Berichterstattung der Medien hierüber. Erfolgreiche Sportler sind “heroes” (Helden) des Landes. Ehemalige Sport-Asse – wie die Schwimm-Olympiasiegerin Dawn Fraser und der 2001 verstorbene Kricket-Spieler Don Bradman – erreichen den Status von glorifizierten Legenden. Australiens Olympiasieger werden unmittelbar nach ihrem Triumph auf Briefmarken verewigt. Die Sport-Fans mögen vor allem Kricket, Rugby und Australian Football, Pferderennen, Tennis und Golf sowie Motor- und Wassersport. Fußball (Soccer) spielt nur eine Nebenrolle.

Ähnlich viele Emotionen wie der Sport setzt auch ein populäres Volkslied frei: Australiens heimliche Nationalhymne “Waltzing Matilda”. Wenn sie erklingt, rollt so manche Träne der Rührung. Das Lied mit einprägsamer Melodie erzählt die traurige Geschichte eines Swagman (australischer Wanderarbeiter) im 19. Jahrhundert.     

Gern sieht man sich – nicht nur im Sport – als “best of the world”. Aber das allgemeine Interesse am “Rest der Welt” ist nicht unbedingt sehr groß. Die Insel-Lage Australiens (und damit die Tatsache, keine gemeinsame Grenze mit einem anderen Land zu haben), die schier endlose Weite dieses riesigen Kontinents und die einzigartige Attraktivität seiner Landschaft und Fauna tragen wohl dazu bei, sich vorwiegend auf die eigenen Belange zu konzentrieren. Selbstbewusst ist man und sehr stolz, ein Aussie zu sein.

Die Menschen im ländlichen Australien, also im Busch oder Outback, unterscheiden sich aufgrund ihrer teils schwierigen Lebensbedingungen (Isolation, Entbehrungen, Naturgewalten) von den Stadt-Bewohnern. Die meisten der 22,8 Millionen Australier leben in den großen Städten entlang der Küsten. Im Outback, das viele Städter selbst noch nie gesehen haben, möchte kaum jemand von ihnen wohnen.  

Pioniergeist, Härte und Leidensfähigkeit aus den frühen Jahren kann man heute noch beobachten – wenn Naturkatastrophen wie Buschbrände, Zyklone, Überschwemmungen oder Dürreperioden die Solidarität aller Aussies herausfordern. Es ist überwältigend, wie dann das ganze Land zusammensteht!

Eine nicht immer ernst gemeinte und manchmal kuriose Rivalität, die gelegentlich in eine Art Hassliebe umschlägt, besteht zwischen Australien und dem benachbarten Neuseeland, den Kiwis. Obwohl ihre beiderseitigen Beziehungen sehr eng und freundschaftlich sind, macht man sich gern über den jeweils anderen lustig. Zwei Kostproben solcher Witze der Neuseeländer über Australien bzw. der Aussies über die Kiwis: “Was ist das Schlimmste an Australien?” Antwort: “Es liegt über dem Meeresspiegel!” – “Die Kiwis haben Angst, dass ihr kleiner Insel-Staat rechts unten von der Landkarte rutscht und niemand bemerkt es!”

Wenn Neuseelands Rugby-Elite (“All Blacks”) gegen die Aussies antritt, geht es schlicht um die Ehre und das Selbstwertgefühl dieser Nationen. Doch genau hier gelingt es den Kiwis oft, dem großen, eigentlich übermächtigen Bruder bittere Niederlagen beizufügen. Dafür haben die Australier in den meisten anderen Sportarten und auch sonst fast immer die Nase vorn.

Ein Wesensmerkmal der australischen Nation ist das “Fair go” – das heißt, jeder soll eine faire Chance erhalten. Von diesem Gerechtigkeitssinn profitieren selbstverständlich auch die Einwanderer. Trotz des wachsenden asiatischen Einflusses, nicht zuletzt durch viele Neuankömmlinge, gibt sich das Land noch immer in erster Linie britisch. Schließlich ist Königin Elizabeth II das Staatsoberhaupt des Commonwealth-Mitgliedes Australien.  

Und auch das ist typisch australisch: In fast jedem Haushalt befinden sich ungebetene, scheinbar permanent anwesende “Gäste” – Kakerlaken. Das hat nicht zwangsläufig etwas mit mangelnder Sauberkeit zu tun, sondern mit Klima und Natur. Chemische Insekten-Vernichtungsmittel helfen da nur begrenzt. Die grundsätzliche Toleranz als Lebensprinzip erleichtert es den Aussies, mit diesem speziellen Problem umzugehen.

Zum Schluss ein Tipp: Wird man mit “mate” (Kumpel) angesprochen, so ist das normalerweise sehr freundlich gemeint (“G' day, mate” / “Guten Tag, Kumpel”). Heißt es aber “Listen, mate” (“Hör zu, Kumpel”), dann sollte man sich vorsichtshalber zurückziehen...

GOTTFRIED WELLER

 


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Last updated 24 March 2015